Das Unsrige und das Fremde
Bei der Suche nach altslawischen Liedern gefiel mir das Lied Pommersches Altslawisches, Древнеславянская Поморская. Ich suchte den Text im Internet. Beim Lesen fiel mir auf, dass im gesungenen Lied Worte Jarg-Pommern durch Worte Wir Slawen ersetzt wurden. Eine Region schenkte ihr Lied dem gesamten slawischen Raum, dachte ich, wie die Slowaken den Text ihres Liedes der panslawischen Hymne zur Verfügung stellten. Doch es war zum ersten Mal in meinem Leben, dass ich das Wort Jarg zu Gesicht bekam. Das Lied sprach weiter vom Swarog, war also slawisch. Ich weiß, dass die Balten Swarog ebenso in Ehren wie die Slawen halten, wie auch andere Völker. Es liegt mir fern, jemanden nicht beachten zu wollen, denn wichtig sind alle. Ich kannte Balten und andere Völker, die Swarog verehrten. Was ist es für ein Volk aber, die Jarg-Pommern? Ich suchte auf Google und fand eine kurze Notiz gleich. Das Wort Jarg, hieß es, nenne ein Zeichen für Sonne. Das Zeichen stünde auch für Feuer und sei ein weit verbreitetes Muster in ganz Eurasien, ein sogenanntes solares. Jarg-Pommern sei ein Volk im russischen Norden.
Яркий, jarkij, heißt im Russischen hell. Da die Russen immer zu klagen, jemand habe nicht wenige Buchstaben in ihren Worten via Rechtschreibung durch andere ersetzt, und so ihre Bedeutung subtil verändert, frage ich mich, ob das Wort jarkij früher vielleicht jargij hieß. Das Wort erinnert dank dem G an das heidnische Zeichen der Sonne. War das aus der Sicht eines Eingottglaubens nicht erwünscht? Wurde deswegen eine kleine Änderung an der Wurzel des Wortes vorgenommen? Mich erinnerte Jarg an Swarg. Ich dachte lange und schrieb auch ein paar Mal, dass das Wort Jahr im Deutschen, also auch year später, vom slawischen Wort jary/j abstammen. Beide Worte zusammen benennen das Fest zu Beginn des Frühlings. Das Wort jare schien nun dem Wort Jarg zu ähneln. Jarilo ist ein Gott der Sonne, der Fruchtbarkeit, des Festes zu Beginn des Frühlings der Slawen. Jarg, jaryj, Jarilo und jarkij, all die Worte scheinen ein und derselben Gruppe angehören: der Gott der Sonne, das solare Zeichen sowie das eine oder andere Beiwort.
Hier wird es schwierig. Denn ich denke, dass das Wort жар mit dem Wort Jarg ebenso zusammenhängt. Жар wird im Polnischen mit dem Buchstaben "ż" geschrieben, den ich aus meinem Vornamen kenne. Das Wort "żar" ging möglicherweise, der Bedeutung und der äußeren Form nach zu urteilen vom Wort jarg hervor, oder umgekehrt, denn "j" wird manchmal in dieser Welt wie "ż" ausgesprochen, wie im französischen im Wort jaune, gelb. Żar kann mit Jarg bedeutungsmäßig zusammenhängen, weil das Wort żar Glut bedeutet, wie ein solares Zeichen die Sonne, sie ist hell und sie glüht. Ich weiß aus eigener Erfahrung gut, dass fast alle deutsche Muttersprachler Worte wie Garage, Collage, Montage, Vernissage, Etage, Courage problemlos aussprechen können, denselben Laut in meinen Vornamen auszusprechen gelingt ihnen jedoch sehr selten.
Die Begründung lautet: Die slawischen Sprachen seien schwierig und hart. Vielleicht schämten sie sich vor sich selbst, wären sie in der Lage, ein slawisches Wort korrekt auszusprechen?, denke ich manchmal. Ich weiß nicht, wie es ist. Vielleicht schämen sie sich, vielleicht haben sie beigebracht bekommen, wenn auch wortlos, dass man slawische Sprachen nicht lernt? Oft wird geglaubt, mein Vorname sei slawisch. Eindeutig ist er das nicht. Die Tatsache, dass mein Vorname nur in Polen, Tschechien und Serbien vorkommt, und aus der Zeit der Einwanderung der iranischen Stämme zu stammen scheint, spricht dafür, dass der Vorname iranischer Herkunft sein kann, wie viele anderen Worte in den drei slawischen Sprachen. Das ist eins. Das andere ist, dass die Slawen hin und wieder unter sich fragen, warum das Deutsche so hart sei. Das sei Zwei. Drei gibt es auch. Es wird mir aber zu viel, denn rechnen kann ich nicht.
Der Link zum Lied Древнеславянская Поморская ist unten. Ich lade ein in das Lied jenseits der Alphabete hineinzuhören. Es gibt im Lied deutsche Worte. Ersetzt man SS durch trockenes, breites SCH, und den Laut T durch weiches, feuchtes C, kann man das Wort Tasse ziemlich am Anfang des Liedes heraushören. Ciascha heisst Tasse, und Tässchen, ciaschka, bedeutet Schädel. Urbildlich gesehen ist der Zusammenhang offenbar. Man kann auch das Wort Stulpe in dem Lied hören, denn das Wort столб, stołb, bedeutet Säule und klingt ähnlich. So scheinen die Worte Tasse und Schädel, ciaschka und stołb, Stulpe und Säule laut- sowie bedeutungsmäßig Hand in Hand in dem Lied und in den beiden Sprachen zu gehen.
Es gibt also zwei deutsche Worte sozusagen im Lied: Stulpe und Tasse und Slawen sowieso. Möchte man V durch P ersetzen, gibt es im Lied auch das Wort voll. Es scheint auch andere deutsche Worte in dem Lied zu geben. Das Wort Rod ist der Name eines wichtigen Gottes. Mich erinnert das Wort Rod an das Wort Rad. In der slawischen Welt drehte sich vieles um die Mitte, auch die Zeit, cas, war eigentlich Kreis. S geht oft in T über und umgekehrt, auch in anderen Sprachen. Das Wort Cas, Zeit, bedeutet bis heute nicht die Zeit als solche, sondern Zeitabschnitt, Stunde, im Russischen. Das Wort wrjemia für die Zeit als solche geht auf das Wort wiertit', bohren, sich drehen, zurück, das ist aber eine andere Geschichte, die wahr zu sein scheint und mich ärgert. Da sich jedoch die vedische Zeit, ob östlich-slawische, östlich-indische oder deutsch-westliche immer noch, wie ich denke, jenseits der Zeitabschnitte dreht und wendet, wird mir eines Tages schon gelingen über die Frage der Zeit und der Zeitabschnitte nachzudenken. Denn der Ärger währt nicht ewig, der Kreis aber schon.
Das Rad dreht sich um seine Mitte. Oder nicht? Die Bedeutung des Wortes Rod dreht sich ums Tod, Leben, ums Sterben und Gebären, denn Rod bedeutet Geschlecht. Darüber hinaus gibt es viele Ableitungen des Wortes in allen slawischen Sprachen, die Familie, Kern, Eltern, Heimat und so weiter bedeuten. Ein weiteres deutsches Wort in dem Lied scheint das Wort Väterchen, Батюшка, Batjuszka, zu sein, denn B und V gehen öfter ineinander im Sprechen über und das Wort Vater heißt bat'ko, also Aufseher, weil bacit schauen, sehen, bedeutet. Bat'ko nannten manche meinen Urgroßvater, also vat'ko, Bat'ko, Vätchen in Ostpolen. Es ist dasselbe Wort im Kern. Ein weiteres deutsches Wort, das in dem Lied herauszuhören wäre, ist lüten. Liutyj heisst hart, stark oder erbittert.
Ein englisches Wort kommt ebenso vor, das Wort tree im Wort drewnij. Denn erst später kam die zweite Bedeutung des Wortes drewnij, hölzern, im Russischen hinzu. Es heißt alt, vielleicht um das, was hölzern war, abzuwerten, und das Wort Mauer als gut für die Zukunft darzustellen? Auch das Wort Liegen wird im Lied genannt. Es geht um den Laut Ż statt des Lautes G wieder. Ich lasse die Erläuterung sein. Das Wort leżeć ist kein französisches. Das Slawische gehört kaum zur Bildung. Um es klarzustellen, ich habe nichts gegen Frankreich. Ich habe dort entfernte Verwandte. Der ältere Sohn meiner Großcousine lernt Polnisch. Seine Wurzeln sind zum Teil slawisch. Das Wort leżeć lasse ich dennoch hier links liegen. Es geht ja ums Deutsche.
Zwei weitere deutsche Worte, die beim Hineinhören in das Lied und jenseits des Schleiers des Alphabets aufzudecken wären, sind Gäste, gosti und Odin. Gosti bedeutet das gleiche wie im Deutschen das Wort Gäste. Es klingt sehr ähnlich. Es braucht nicht erläutert zu werden. Wieso kommt aber im Russischen Lied das Wort Odin vor? In dem Lied scheint Odin nicht unbedingt ein Verwandter der slawischen Götter zu sein. Odin oder adin bedeutet im Russischen Eins. Das Wort wird immer wieder auf das Wort Odin in Russland zurückgeführt, auf die Eins. Eigentlich gibt es in der Welt der slawischen Götter keine Hierarchien, alle sind gleich wichtig. Jeder ist für das Seinige zuständig, wie in der Familie Menschen, oder im Menschen die Kräfte und Körperteile im Körper. Der Mastdarm wird ja das Gehirn des Beckenbereichs genannt, und ohne die Füße kann der Kopf nicht gut leben und er kann weniger leisten. Vielleicht wird die Eins im Kreis und nicht in der Reihe gedacht?
Das Wort Eins, One im Englischen, soll hingegen den chinesischen Kaiser, den Wan, den Ersten nennen. Der Osten scheint also für die Eins ein westliches Wort zu gebrauchen, der Westen ein Östliches. Vielleicht leben in den Zahlen die Namen der Assen und Wannen? Ich übernehme für die Angaben keine Gewähr. Mal scheinen sie mir nicht ausgeschlossen, mal frei ersonnen zu sein. Es fühlt sich aber gut an, ab und zu frei zu schreiben oder zu denken, ein Wort halt so statt ein letztes zu sprechen. Ich bin seit einem Vierteljahrhundert kein Kirchenmitglied mehr offiziell, in Wirklichkeit länger. Ich komme aber aus einem Land, in dem es Witze gab. Eine ältere Frau erzählte dies und jenes am Beichtstuhl. Der Pfarrer sagte: "Großmutter, alles gut, sagen Sie aber, machen Sie das alles in Ihrem Alter bei Wahrheit?" Die Großmutter sagte: "Ach was, nicht im Alter und den Großvater gibt es schon lange nicht mehr, es fühlt sich aber gut an, sich daran zu erinnern". So erinnere ich mich gerne an die russische Denkart, die Worte One, Eins und Odin zu deuten, jenseits der Frage nach Wahrheit. Dass die russische Art über Worte zu denken im Ganzen oder zum Teil wahr ist, halte ich für nicht ausgeschlossen. Vielleicht tue ich es, um etwas, was jemand sagt, nicht zu schnell abzuwerten, oder um sich, wenn auch nur kurz, wohlzufühlen und frei zu denken. Denn falls ich es richtig sehe, denken oder sprechen wir hin und wieder um zu fühlen, wir fühlen nicht stets, um zu sprechen oder zu denken. Ich bin darüber im Klaren, dass der Leser keine Schweigepflicht hat, wie der Beichtvater.
Lüten, Liegen, Tasse, voll, Vater, Gäste, Stulpen und Odin. Es empfiehlt sich, zu bremsen. Ich laufe ja die Gefahr ein, bald nicht das Russische ins Deutsche, sondern das Deutsche ins Russische in dem Lied Древнеславянская Поморская, übersetzen zu müssen. Nicht das Fremde ins Unsrige, sondern das Unsrige in das Fremde sozusagen also. Meine Absicht war aber zum Nachdenken vorzuschlagen, dass manches, was wegen dem Schleier eines Alphabets oder auch wegen eines anderen sehr fremd auf den ersten Blick erscheint, beim genaueren Hinschauen sich manchmal als vertraut und sogar als das Eigene, das Meinige erweist.
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Link zum Hineinhören in die Wurzeln der Worte, jenseits der Alphabete:
https://musify.club/track/mater-sva-i-slavyanskie-barabani-pomorskaya-2999415
Link zum Jarg-Zeichen:
https://ru.m.wiktionary.org/wiki/%D1%8F%D1%80%D0%B3%D0%B0
Altes Lied der Pruzzen:
https://dai.ly/x502r00