Bösewicht
 

Die Hausverwaltung beauftragte einen Boten, mir gewisse Unterlagen zu überreichen. Ich hatte sie nicht erhalten. Verschwunden waren sie samt Nummern, die Dritte nicht hätten erfahren dürfen. Dies beunruhigte mich. Ich malte mir das Szenario eines bevorstehenden Missbrauchs aus. Jemand wird an meiner statt etwas beantragen oder ein Formular ausfüllen, dachte ich. Ich rief den Boten an. Er behauptete, die Unterlagen an einem Tag unter meiner Wohnungstür durchgeschoben zu haben. Ich antwortete, auf dem Boden seien keine Unterlagen zu finden gewesen. 

Durch meinen Kopf schossen Fragen: Bedeuten die Worte "ihre Wohnungstür" in Wirklichkeit und im Satz des Boten nicht dasselbe? Wurden die Unterlagen gestohlen? Schob er sie nicht vollständig unter der Wohnungstür durch? Losten sie sich in meiner Wohnung in der Luft auf? Auf einmal wurde ich der Tatsache gewahr, dass sich außer meiner Wohnungstür drei weitere Türe im Treppenhaus befinden. "Unter welcher Tür genau haben sie die Unterlagen durchgeschoben?", fragte ich. "Unter der Tür, an der die Klingel angebracht war", sagte er. Ich atmete auf.

Die Unterlagen samt Nummern, die an Dritte nicht hätten weitergegeben werden dürfen, befanden sich in den benachbarten Räumlichkeiten, wo niemand wohnte. Ich sah sie vor meinem geistigen Auge in aller Sicherheit auf dem Boden hinter der Eingangstür dort ruhen. Die Klingel, die er meinte, läutete zwar, sobald man auf den Schalter drückte, in meiner Wohnung, sie befand sich aber in unmittelbarer Nähe einer anderen Tür und hatte kraft ihrer Platzierung den Boten irregeführt. Es leuchtete der Verwaltung ein, was ich offenbarte. An meiner Wohnungstür wurde ein großer Namensschild angebracht. Der Bote lernte etwas dazu. Die Türklingel blieb, wie sie war, und sie tat, als sei sie daran, was geschehen war, nicht am Geringsten beteiligt gewesen.

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