Bon voyage
 

Im Zug fuhren ein paar Frauen und ich. Es waren angehende Zahnärztinnen, wie ich ihren Gesprächen entnahm. Was sie erzählten, verfolgte ich nicht genau. Wachgerüttelt wurde ich durch den Ausdruck, den eine von den Frauen, wie aus dem Nichts heraus, im öffentlichen Verkehrsmittel gebrauchte. Sie sagte: "Es geht dort russisch zu, also schlecht". "Ich hätte Russin sein können", schoss es mir durch den Kopf, und ich dachte daran, dass jemand mal wieder sicher sei, ich sei Französin.

Meine Großcousine aus Frankreich, deren Großvater kein Franzose war, reiste mit ihren beiden Söhnen durch Holland. "Warum sprichst du so komisch, Mama?", fragten die Jungs. Statt "Bonjour" sagte sie "Guten Tag", oder so ähnlich, und sie gebrauchte sonst Worte, die sie nicht kannten. Die Jungs realisierten bald auch, dass die Menschen um sie nichts verstanden, sobald sie wie daheim redeten.

Eines Tages fuhren sie im Zug. Ihre Mutter strikte, ein Herr saß in einer Ecke des Abteils und schwieg. Der ältere Junge wippte mit einem Bein und sang sein neues Lied: "La, la, la, Mama, la, la, la, Mama, ich kann sprechen, was ich will, la, la, la, Mama, der Herr versteht nicht, la, la, la, Mama, ich kann reden, was ich will, la, la, la, Mama, er versteht nicht, hahahaha". "Mais oui!" sagte der Weggefährte plötzlich. "Oh!" riefen die Jungs aus. Ihre Mutter strickte. Sie schwieg.

Sie fuhren, bis sie ausgestiegen waren, zusammen. Wir Seelen fahren alle eine Strecke, ein Stück, wie ich, wie die Frauen, die Mutter, die Jungs und der Herr, in einem Zug hier auf Erden zusammen. Wir versuchen uns hin und wieder zu verstehen, sobald wir uns sehen, unsere Worte lesen oder hören. Wir tun das, solange wir leben, bis wir sterben, um wieder einzusteigen, um neugeboren zu werden.

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